Am
03.April 2002 feierte das Amt Landhagen sein
10 jähriges Bestehen.
Zu diesem festlichen Anlass kamen zahlreiche
Gäste aus der Region.
Dazu zählten u.a. Vertreter des Landkreises
OVP, der Hansestadt Greifswald, der umliegenden
Ämter sowie das Partneramt aus dem Kreis
Nordfriesland.
Anlässlich dieser Veranstaltung richtete
der Amtsvorsteher Herr Meinzer an seine Gäste
folgende Worte:
Sehr geehrter Herr Meesmann, sehr geehrte
Frau Dönig-Poppensieker,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verehrte
Gäste
Am 3. April 1992 wurde das Amt Landhagen,
das zu jener Zeit noch Amt Dersekow-Landhagen
hieß, an seinem damaligen Amtssitz in
der Greifswalder Goethestraße 9 offiziell
eröffnet.
Allein der Doppelname weist darauf hin, dass
es Veränderungen gegeben hat, dass die
Amtsbildung in unserem Bereich etwas anders
verlief als bei der überwiegenden Mehrzahl
der Ämter Mecklenburg-Vorpommerns. Während
die meisten in den Jahren 1990 und 1991 gegründeten
Verwaltungsgemeinschaften in einem zweiten
Schritt im März 1992 per Landesverordnung
in Ämter überführt wurden,
war in unserem heutigen Bereich ein Schritt
mehr notwendig.
Am 9. Januar 1991 hatten sich die Gemeinden
Groß Petershagen, Hinrichshagen, Levenhagen,
Mesekenhagen und Neuenkirchen zu einer Verwaltungsgemeinschaft
zusammengeschlossen, die im Mai 1991 in Neuenkirchen
in der ehemaligen Kinderkrippe ihre Arbeit
aufnahm.
Zu dieser Zeit arbeitete bereits seit einigen
Monaten die in unmittelbarer Nachbarschaft
befindliche Verwaltungsgemeinschaft "Schwingetal",
der die Gemeinden Behrenhoff, Dargelin, Dersekow
und Weitenhagen angehörten.
Sitz dieser Verwaltungsgemeinschaft war Dersekow.
In Dersekow und Neuenkirchen wurden nun die
ersten, wenn auch noch unsicheren und suchenden
Schritte in Richtung neuer Verwaltungsstrukturen
gemacht.
Die Mitarbeiter, die vorher in den einzelnen
Gemeindeverwaltungen tätig waren, mußten
von Grund auf Umdenken. Entsprechend der neuen
Struktur der Verwaltungsgemeinschaft waren
den meisten Kollegen andere Aufgaben zugeordnet
worden. Der Mitarbeiter in der Verwaltungsgemeinschaft
sollte nicht mehr nur für "seine"
Gemeinde arbeiten, sondern genauso gut und
schnell für drei oder vier andere. Daß
es dabei einen Umdenkungsprozeß geben
mußte, war ganz natürlich.
Parallel zu den neuen Herausforderungen am
Arbeitsplatz liefen im Frühjahr/Sommer
1991 die ersten Verwaltungslehrgänge
an.
In dieser Phase des Suchens und Lernens erreichte
im Frühsommer des Jahres 1991 beide Verwaltungsgemeinschaften
die Nachricht, daß sie auf Grund ihrer
Größe keine Aussicht hätten,
in Ämter überführt zu werden.
Weder "Schwingetal" noch "Landhagen"
erreichten eine Einwohnerzahl von 5 000.
Beauftragte des Innenministeriums führten
in der Folgezeit mit beiden Verwaltungsgemeinschaften
Gespräche mit dem Ziel einer Zusammenlegung.
Aus heutiger Sicht ein völlig richtiges
Vorgehen. Leider wurde es nicht landesweit
praktiziert.
Nachdem sich in beiden Bereichen die Emotionen
gelegt hatten, wurden in den folgenden Monaten
entsprechende Vorbereitungen für die
Fusion getroffen.
Anfang Februar 1992 war es dann soweit: in
Anwesenheit von Vertretern aus nun insgesamt
neun Gemeinden fand die konstituierende Sitzung
des gemeinsamen Amtsausschusses statt.
Zum ersten Amtsvorsteher des Amtes Dersekow/Landhagen
wurde Herr Achim Will gewählt. Herr Will
ging als Neuenkirchener Bürgermeister
seit 1990 mit viel Elan, Ruhe und Sachverstand
an die Arbeit und hatte großen Anteil
am Aufbau der neuen Strukturen auf kommunaler
Ebene. Leider verstarb er 1996 viel zu früh.
Zur Leitenden Verwaltungsangestellten berief
der Amtsausschuss Frau Dr. Haack.
Am 24. März 1992 nahm die Amtsverwaltung
in der Greifswalder Goethestraße ihre
Arbeit auf. Der Greifswalder Amtssitz war
der Vereinigungskompromiss zwischen "Schwingetal"
und "Landhagen". Greifswald als
zentraler Punkt war für alle Bürger
gut zu erreichen, niemand war im Vorteil.
Die ehemalige Kreisverwaltung Greifswald-Land
bot uns ihr Gebäude in der Goethestraße
zur Miete an. Wir nahmen das Angebot dankbar
an.
Die feierliche Eröffnung des Amtes fand
dann am 3. April 1992 in Anwesenheit zahlreicher
Gäste statt.
Unter ihnen auch der Amtsvorsteher und der
Leitende Verwaltungsbeamte unseres Partneramtes
Bökingharde aus Nordfriesland, die wir
auch heute herzlich begrüßen können.
Das bei seiner Gründung aus 9 Gemeinden
bestehende Amt wurde 1993 noch erweitert.
Zwei Gemeinden kamen hinzu, nämlich Diedrichshagen
und Wackerow.
Das bisher zum Amt Züssow gehörende
Diedrichshagen, eine Gemeinde am südöstlichen
Stadtrand von Greifswald, wechselte auf eigenen
Wunsch zum Amt Landhagen, weil sich hier bereits
Umlandgemeinden mit ähnlich gelagerten
Problemen zusammengeschlossen hatten.
Die Gemeinde Wackerow wurde 1993 per Beschluss
des Oberverwaltungsgerichtes Greifswald dem
Amt Landhagen zugeordnet.
In den zurückliegenden 10 Jahren ist
der Amtsbereich Landhagen mit seinen jetzt
zehn Gemeinden zu einem festen Begriff geworden
und hat eine beachtliche Entwicklung durchlaufen.
Allein der Zuwachs an Einwohnern ist beeindruckend.
Wohnten 1992 ca. 5 700 Menschen in unserem
Amtsbereich, so sind es heute über 10
000.
Damit ist das Amt Landhagen eines der größten
Ämter Mecklenburg-Vorpommerns.
Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Entwicklung,
die in allen jenen Orten anzutreffen ist,
die sich im Einzugsgebiet größerer
Städte befinden. Nach der Wende erkannten
die stadtnahen Gemeinden sehr schnell, das
der Bedarf an Bauplätzen für Eigenheime
sehr groß ist. Viele Städter wollten
ihre eigenen vier Wände im Grünen
und in ruhiger Lage errichten. Solche Gemeinden
wie Hinrichshagen, Neuenkirchen, Wackerow
und Weitenhagen reagierten sehr schnell und
boten in B-Plangebieten oder in Baulücken
inmitten des Ortes Bauplätze an.
Trotz des Bevölkerungszuwachses durch
Zuzug muss auch im Amtsbereich Landhagen das
Abwandern junger Leute in andere Regionen
Deutschlands verzeichnet werden.
In den letzten 10 Jahren haben alle Gemeinden
des Amtsbereiches große Anstrengungen
unternommen, den Wohn- und Erholungsbereich
für ihre Bürger zu verbessern und
auszubauen. Auch in kleinen Gemeinden wurde
viel erreicht. Leider gerät dies oft
aus dem Blick und es wird vergessen, wie es
1989 auf den Dörfern aussah.
So konnte beispielsweise in Behrenhoff das
Ortsbild durch zahlreiche gelungene Lückenbebauungen
abgerundet werden. Für die ortsansässigen
Sportvereine sowie das Gemeindeleben überhaupt
verbesserten sich die Bedingungen durch den
Umbau des Gemeinde- und Sporthauses. Der unter
Denkmalschutz stehende ca. 10 ha große
Landschaftspark, einst zum Anwesen der Grafen
von Behr gehörig, wird bereits über
Jahre hinweg als landschaftliches und botanisches
Kleinod für Einwohner und Besucher gepflegt
und erhalten. Die Gemeinde Dargelin verbesserte
kontinuierlich den Zustand ihrer Gemeindestraßen,
zum Teil aus Mitteln des Flurerneuerungsprogrammes
und der Dorfteich entstand in seiner alten
Schönheit und ist jetzt Blickfang des
Ortes. In Diedrichshagen wurde ebenfalls viel
in die Infrastruktur investiert: Straßen,
Wasser- und Abwasserleitungen entstanden neu.
Der gerade fertiggestellte Sportplatz ist
für die sportbegeisterten Einwohner eine
große Errungenschaft.
Aber auch auf gewerblichem Gebiet sind Fortschritte
erreicht worden.
Mit besonderem Stolz möchte ich erwähnen,
dass in zwei Gemeinden, nämlich in Neuenkirchen
und Weitenhagen leistungsfähige und gut
ausgelastete Gewerbegebiete entstanden. Die
hier angesiedelten Firmen bieten vielen Menschen
aus der näheren Umgebung einen Arbeitsplatz,
gerade bei der heutigen Wirtschaftslage und
Arbeitsmarktsituation eine wichtige Tatsache.
Ein Höhepunkt für unser Amt war
der Einzug in das neue Verwaltungsgebäudes
im Sommer 1999. Gleichzeitig wurde der Amtssitz
von der Hansestadt Greifswald nach Neuenkirchen
verlegt. Der Bau und die Innenausstattung
wurden zu ca. 50 Prozent vom Land Mecklenburg-Vorpommern
gefördert, wofür wir uns an dieser
Stelle noch einmal bedanken möchten.
Das zweckmäßig ausgestattete Gebäude
bot nun sehr gute und damit weitaus bessere
Arbeitsbedingungen als das räumlich sehr
beengte Haus in der Greifswalder Goethestraße.
Die dort beschäftigten 17 Mitarbeiter
waren am Rande ihrer Leistungsfähigkeit
angekommen, der Platzmangel verhinderte eine
Aufstockung des Personals und eine Verteilung
der Arbeitsaufgaben.
Umgezogen in das neue Amtsgebäude konnten
nun die längst benötigten Stellen
ausgeschrieben und neu besetzt werden. Die
in den letzten Jahren vorgenommene Übertragung
von Arbeitsaufgaben von Land, Kreis und auch
den Gemeinden auf das Amt und selbstverständlich
auch die stark gestiegene Bevölkerungszahl
im Amtsbereich wirkten sich auf den Personalbedarf
aus.
Die Vollstreckungsstelle mit zwei Mitarbeitern,
die nicht nur für unser Amt sondern auch
noch für die Ämter Lubmin und Züssow
sowie den ZWAB arbeitet, befindet sich seit
1999 bei uns im Haus.
Und endlich haben wir seit dem Umzug nach
Neuenkirchen auch ein eigenes Standesamt.
Das Amt ist Schulträger für die
Grund-, Haupt- und Realschule Neuenkirchen.
Die Grund-, Haupt- und Realschule in Dersekow
sowie die Grundschule Weitenhagen befinden
sich in gemeindlicher Trägerschaft.
Nach vielen Jahren des Suchens nach geeigneten
Strukturen übertrugen die Gemeinden des
Amtsbereiches Landhagen die Aufgaben der Trinkwasserversorgung
und Abwasserentsorgung an den Zweckverband
Boddenküste, der diese Aufgaben ebenfalls
für die Gemeinden der Ämter Lubmin
und Züssow erledigt. Diese lange angestrebte
und 1999 verwirklichte große Lösung
hat sich bewährt. Die Aufgaben werden
fachkompetent erledigt und es konnten moderate
Gebühren und Beiträge für die
Bürger erreicht werden.
Neue elektronische Medien, die vor zehn Jahren
noch wenig in unserem Bewußtsein waren,
gewinnen zunehmend an Bedeutung. Inzwischen
wissen wir, dass sie die Arbeitsmittel der
Zukunft sind. Das Amt und die Gemeinden präsentieren
sich im Internet, jeder Arbeitsplatz im Amt
hat e-mail- und Internetzugang. Jetzt muss
jeder Mitarbeiter schnellstens lernen, mit
den neuen Medien umzugehen, damit er beruflich
nicht den Anschluss verpasst.
Das Präsentieren unserer Körperschaften
im Internet soll unsere Region bekannter machen,
den Bürger zusätzlich informieren
und ihm den Umgang mit der Verwaltung erleichtern.
Die Bürger nehmen das neue Kommunikationsmittel
gut an. Täglich haben wir über 50
Zugriffe auf unsere Homepage Landhagen de.
Allerdings könnten die Zugriffe noch
erhöht werden. Dazu ist es erforderlich,
den Informationsgehalt der Seiten zu steigern.
Die Zuarbeit vieler Gemeinden für das
Amtsblatt klappt inzwischen sehr gut, wünschenswert
wäre eine ebensolche für das Internet.
Es wäre eine lohnende und bürgerfreundliche
Zielstellung für die nächsten Jahre.
In der Amtsverwaltung arbeiten derzeit 23
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich
als Dienstleister für die Bürger
und Gemeinden verstehen. Nach unserer Meinung
verfügen wir über eine schlanke
und effiziente Struktur und haben gerade nach
umfangreichem Personalwechsel die Neuaufteilung
der Aufgaben abgeschlossen. Aber abgeschlossen
ist ein solcher Vorgang eigentlich nie, weil
aufgrund der schnelllebigen Zeit rasch Veränderungen
eintreten. Die Verwaltung muss in der Lage
sein, auf neue Situationen flexibel zu reagieren.
Ein Gradmesser für die Leistungsfähigkeit
einer Amtsverwaltung ist auch das Verhältnis
zu den ehrenamtlichen Bürgermeistern,
deren kommunales Ehrenamt schwieriger zu bewältigen
ist als es für Außenstehende oft
erscheint. Als weitestgehende Laien auf dem
Gebiet der Verwaltung sind sie auf die Unterstützung
und Loyalität ihres Amtes angewiesen.
Und schwierige Sachverhalte gibt es genug
zu lösen, manchmal finden sie ihr Ende
erst vor Gericht. Für das vertrauensvolle
Miteinander möchte ich allen Mitarbeitern
und Bürgermeistern danken.
Eines hat sich in 10 Jahren Arbeit bewiesen:
nur wenn die beschließenden Gemeindegremien
und die ausführenden Kräfte in der
Verwaltung sinnvoll und vertrauensvoll zusammenarbeiten
kommen wir weiter voran.
Wie ist es um die Zukunft des Amtes Landhagen
bestellt?
Das Amt Landhagen besitzt mit seinen 10 000
Einwohnern eine Größe, die für
einen ländlich geprägten Raum optimal
ist. Wir verfügen über eine effiziente
Personal- und Kostenstruktur. Insofern sind
wir nicht von Überlegungen der Enquetekommission
zu Ämterfusionen und Zukunftsfähigkeit
betroffen. Von unserer Zukunft haben wir natürlich
dennoch unsere Vorstellungen. Wir möchten
in den bewährten, inzwischen gefestigten
und den Bürgern bekannten Strukturen
gemeinsam mit den vielen ehrenamtlich Tätigen
in den Gemeinden zum Wohle unserer Einwohner
arbeiten. Die Amtsordnung hat sich bewährt
in ihrer Kombination aus Ehrenamt und Professionalität.
Gebietsreformen sind unserer Meinung nach
nur dann zu vertreten, wenn ein offensichtlicher
Vorteil für den Bürger entsteht
und eine eindeutige Kosteneinsparung erreicht
wird. Alles andere schafft unnötig Unruhe
und lenkt von den Tagesaufgaben ab.
Unsere zehn Gemeinden sind von ganz unterschiedlicher
Größe und sie haben sich auch in
unterschiedliche Richtungen entwickelt. Eines
haben sie jedoch gemeinsam: nämlich die
unmittelbare Nähe zur Hansestadt Greifswald.
Wir sind sehr froh, dass sich in den letzten
Jahren die Zusammenarbeit sowohl auf Verwaltungsebene
als auch zwischen den Gemeinden und der Hansestadt
spürbar verbessert hat. Unser gemeinsames
Ziel muss es sein, die Region weiterzuentwickeln
zum Vorteil der hier lebenden Menschen.
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